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Schritt für Schritt zum Erfolg

17.05.2016

Obwohl sie schon fünf Jahre alt war, als sie in unser Kinderheim in SALEM Uganda kam, konnte Betty weder laufen noch sprechen. Mittlerweile hat sie mit der Hilfe von anderen schon viel erreicht und wir hoffen auf weitere Verbesserungen.

Durch starke Unterernährung und schlimme Misshandlung durch ihre Mutter entwickelte sie eine geistige Behinderung. Dank der liebevollen Fürsorge der SALEM-Aunties, die sie mit einem besonderen Training unterstützten, konnte sie zwei Jahre später laufen. Ihre gute Entwicklung hat es ihr ermöglicht, 2014 in unsere Vorschule eingeschult zu werden. Doch noch immer ist ihre Situation eine große Herausforderung. Um sich stetig weiterzuentwickeln, braucht sie viel Aufmerksamkeit, was nicht einfach umzusetzen ist für die Lehrer, die sich auch so schon mit großen Klassen konfrontiert sehen.

Als Freiwillige in SALEM ist es mir möglich, regelmäßig Zeit mit ihr alleine zu verbringen. Im gemeinsamen Gespräch mit unserem vor allem sonderpädagogisch sehr erfahrenen Sozialarbeiter habe ich einige Ziele herausgearbeitet, die die nächsten Schritte in ihrer Entwicklung sein sollen.

Lernen eine Latrine angemessen und zum richtigen Zeitpunkt zu nutzen
Als wir unser Training begonnen haben, ist sie nicht von sich aus zur Toilette gegangen und hat ihr Bedürfnis auch nicht kommuniziert. Bei den ersten Versuchen, ihr beizubringen, eine Latrine zu nutzen, wirkte es so, als hätte sie Angst davor, die Kabine zu betreten. Neun Wochen später betritt sie nicht nur das Latrinenhäuschen, wenn sie dazu aufgefordert wird, sondern zeigt es immer häufiger, wenn sie selbst das Bedürfnis hat und wäscht sich anschließend meist unaufgefordert die Hände. Der nächste Schritt wird es nun sein, ihr beizubringen, sich hinzuhocken, da sie sich bisher einfach auf den dreckigen Boden setzt.

Bewusstsein für den eigenen Körper aufbauen
Betty ist auch körperlich noch unterentwickelt. Viele ihrer Bewegungen wirken etwas ungeschickt. Viele kleine Übungen sollen ihr helfen, ein Bewusstsein für die verschiedenen Teile ihres Körpers zu entwickeln und herauszufinden, wie sie diese nach ihren eigenen Wünschen nutzen und steuern kann. Vorsichtig setzt sie einen Fuß vor den anderen, um den langen Weg auf einem Baumstamm hinter sich zu bringen. Sie freut sich über einen Ball, der auf sie zugeflogen kommt und den sie meistens auch fängt und während ich „head – shoulders – knees – and toes“ singe, kopiert sie meine Bewegungen dazu, die sie wiederum dazu motivieren, sich zu bücken, um an ihre Zehen zu kommen.

Verbale und nonverbale Kommunikation mit Gesprächspartnern
Auch wenn es oft so wirkt, als wäre sie abgelenkt und würde einen nicht wahrnehmen, versteht sie sehr viel und tut meistens auch das, was man ihr sagt. Sie hat allerdings kaum gesprochen oder auf eine andere Weise kommuniziert, was sie denkt oder braucht. Wird sie dazu aufgefordert, etwas zu wiederholen, bewegt sie stumm ihre Lippen. In den letzten Wochen, nachdem sie gemerkt hat, dass ihre Kommunikation von mir wahrgenommen wird, hat sie begonnen manchmal nonverbal zu kommunizieren. So zum Beispiel wenn sie zur Toilette muss, wenn sie zurück in ihre Klasse gehen möchte oder wenn sie mir zeigen möchte, was sie gemalt hat. Auch jetzt noch sind die Situationen, in denen sie etwas laut sagt, sehr selten. Wenn sie gut drauf ist, wiederholt sie manchmal einige meiner zuvor gesprochenen Silben oder Wörter, oder ruft mich beim Namen, um meine Aufmerksamkeit zu gewinnen. Diese besonderen Momente zeigen, dass sie durchaus in der Lage ist, ihre Stimme zu nutzen. Ich bin mir ganz sicher, dass sie beginnen wird, diese Möglichkeit der Kommunikation zu nutzen, sobald sie realisiert, was sie damit alles erreichen kann.

Betty hat noch einen langen Weg vor sich, doch schon nach diesen wenigen Wochen ist ein großer Erfolg festzustellen, der auch ihren Lehrern schon aufgefallen ist. Sie wirkt aufgeweckter und reagiert sensibler auf ihre Umwelt. Sie genießt es, unter Kindern und Teil einer Gruppe zu sein. Schritt für Schritt wird sie ihren eigenen Weg gehen.
(Text von Mirjam Fritz, Volunteer in SALEM-Uganda)

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