Nachrichten

Abenteuer Uganda

05.08.2016

Zur Zeit leben und arbeiten zwei Freiwillige aus Deutschland in unserem SALEM-Dorf, die für vier Monate unsere Mitarbeiter vor Ort unterstützen möchten. Was sie bereits erlebt haben …

Tanzende Muzungus

Im Moment leben wir uns noch ein und es passiert noch nicht viel, aber wenn, dann doch immer wieder etwas Überraschendes. Zum Beispiel hat eine Art Competition stattgefunden, ein Musikwettbewerb, an dem die direkt benachbarte Schule teilgenommen hat.
Schon die Proben dafür waren ein Erlebnis, wenn an die hundert Kinder mit einem Riesengeschrei über den Fußballplatz rasen und dann beginnen, zu den Trommeln zu tanzen! Es waren auch Kinder vom SALEM-Dorf mit dabei und als sie uns entdeckt haben, hat sich die Menge auf uns zu- und um uns herumbewegt und zum Mittanzen aufgefordert. Die Kinder haben sich kaum mehr halten können vor Lachen: Tanzende Muzungus!

Ernährungsberatung

In der Kinderstation hat mir Sister Flavia gezeigt, was die Ernährungsberatung alles umfasst: Sie hat mir den Schaugarten gezeigt, der für die Mütter angelegt wurde, um ihnen zu zeigen, welche Pflanzen wichtig sind für eine ausreichende und gesunde Ernährung. Da werden Pflanzen angebaut wie z. B. Mais, Hirse, Maniok, süße und Kochbananen, Kartoffeln, Ananas, Avocado, Papaya, Mango, immer wieder haben wir einen Tomatenstock gefunden, sogar Chia wurde versuchsweise angebaut.
Zur Beratung gehören dann vor allem auch die Vorträge, die sie in regelmäßigen Abständen hält. Dafür stellt sie auf dem Vorplatz vom Krankenhaus vier Tafeln auf mit Informationen über Pflanzenwachstum, Inhaltsstoffe usw., alles handgemalt und in Bildern. Die Informationen und Vorträge verhindern hoffentlich bei einigen, dass sie wegen der Fehl- oder Unterernährung ihrer Kinder ins Kolonyi Hospital kommen müssen. Hier kommen tatsächlich Kinder mit den entsprechenden Symptomen: Aufgeblähter Bauch, dürrer Körper, papierartige Haut wegen Austrocknung. Diese Malnutrition, also Fehlernährung, kann bis zu Kwashiokor führen, einem noch schlimmerem Krankheitsbild mit geschwollenen Beinen und Köpfen.

Erster Kontakt mit fremder Hautfarbe

Es waren zwei Kinder mit diesen Symptomen da, darunter der 1,5-jährige Christofer, der von seiner Mutter „auf die Straße geworfen und nicht mehr versorgt wurde“, bis sich seine Großmutter um ihn gekümmert hat. Als ich die beiden kennen gelernt habe, waren sie schon drei Wochen in SALEM. Die Großmutter wurde ernährungstechnisch beraten, beispielweise bei der Herstellung von Sojamilch, die die geeignetste Nahrung für fehlernährte Kinder zu sein scheint. Nach etwa 3 Wochen sind die Beine, der Körper und das Gesicht von Christofer deutlich abgeschwollen und er nimmt wieder bereitwillig Nahrung in Form von Sojamilch zu sich.
Jedes Mal, wenn der Kleine mich gesehen hat, hat er prompt fürchterlich angefangen zu weinen: weiße Menschen erschrecken die Kinder hier möglicherweise genauso, wie es umgekehrt bei mir war, als ich den ersten Menschen mit dunkler Hautfarbe gesehen habe. Vor ein paar Tagen konnten beide wieder in ihr Dorf zurückkehren. Trotz der Versuche seiner Oma hat er sich bis zum Abschied nicht an mich gewöhnen können.

Gemeinsame Herstellung von Sojamilch

Ich habe Christofers Oma gebeten, mir zu zeigen, wie man Sojamilch herstellt und wir haben uns dafür früh morgens an der Kochhütte verabredet. Die Bohnen hatte sie über Nacht eingeweicht, so dass wir morgens in einer Schüssel Wasser die äußere Haut relativ einfach abreiben konnten. Die Hülsen hat sie mit dem Wasser ausgeschwemmt. Dann kamen die Bohnen in einen großen Mörser und wurden so lange gestampft, bis ein dicklicher Brei entsteht. Sie hat das ganz locker mit einem Arm gemacht, bei mir hat sie da nur gelacht und ich habe dann lieber beide Hände genommen. Den Brei hat sie in ein Tuch gepackt und das Ganze dann geknetet, während sie einige Tassen Wasser drüber laufen lassen hat. Von der Menge her waren das etwa 2 Tassen Sojabohnen und 7 bis 8 Tassen Wasser. Die weißliche Flüssigkeit, die dabei herauskam, wird dann in der Kochhütte so lange aufgekocht, bis der Schaum verschwunden ist, der beim Aufkochen entsteht. Jetzt ist die Milch eigentlich fertig. Damit sie schmeckt, wird ein Löffel Butter/Margarine und ein Löffel Zucker dazu gerührt. War richtig lecker! Die restliche Masse, quasi der Trester, wird danach auf einem Tisch zum Trocknen ausgebreitet und zusammen mit Millet (Hirse) als eine Art Porridge zum Frühstück gegessen.

Impfkampagne

Neulich konnte ich mit Sister Margret in eines der umliegenden Dörfer zu einer Impfkampagne fahren. Wir wurden per Jeep hingefahren und dort von einer riesigen Gruppe Frauen und Kindern unter dem großen, zentralen Mangobaum erwartet. Nach einer kurzen Ansprache – auch eine von mir als Muzungu und unbekannter Gast – wurden die Impfpässe der Kinder eingesammelt, aktualisiert und die neuen Impfeinträge für die Grundimpfungen der Kinder anschließend in eines der riesigen Dokumentationsbücher übertragen. Danach ging es los mit dem Spritzen und zeitgleich auch mit einem enormen Anstieg des Lärmpegels. Zum einen natürlich wegen der Kinder, die geimpft wurden und die aus Schreck und aus Schmerz geschrien haben. Dazu kam dann eine große Menge an Mitleidenden, die sich schon mal prophylaktisch am Geschrei beteiligt haben. Sister Margret hat sich sehr beeilt, damit sich die Lage möglichst schnell wieder beruhigt. Das waren ein paar Stunden hochkonzentrierte Arbeit. Auch wenn ich selbst keine Impfungen verabreicht habe – es war ein spannender Mittag!

(Bericht von Ulrike Haag)

nach oben ▲